Designbusiness gründen und entwickeln

Bei unseren Auftraggebern, bei der Presse und selbst bei unseren Eltern und Freunden herrscht immer noch das Vorurteil, wir Designer seien so eine Art Künstler. Diese Einordnung dient meistens dazu, uns als nicht ganz zuverlässig zu kennzeichnen. Wir dürfen die Privilegien nutzen, die man Künstlern zugesteht: zu spät kommen, uns ungewöhnlich kleiden, sogar unsere Meinung ohne diplomatische Rücksichten sagen. Aber dafür nimmt man uns dann auch nicht ganz ernst. Wie oft habe ich gehört: »Sie als Künstler sehen das natürlich anders.« Und damit waren meine Einwände oder Vorschläge abgewimmelt.

Laut Karl Valentin ist Kunst zwar sehr schön, macht aber viel Arbeit. Wir arbeiten dann auch wie Künstler: Wir skizzieren, fantasieren, visualisieren. Wir verwenden künstlerisches Werkzeug wie Stifte, Papier und Farben. Und wir sehen Dinge, bevor sie sichtbar sind. Aber wir Designer visualisieren keine Probleme, wir lösen sie. Nicht unsere eigenen, sondern die anderer Leute – und für Geld.
 
Wir arbeiten im Auftrag, haben vielleicht Angestellte. Wir berechnen unsere Leistungen, haben auf jeden Fall ein Rechnungsformular, vielleicht sogar eine Buchführung. Wir sind also auch Unternehmer. Das haben wir an keiner Hochschule gelernt, und ehe uns das Leben lehrt, wie wir kalkulieren, anbieten, verkaufen, ist es oft zu spät. Banken haben keine Ahnung, was wir eigentlich machen. Steuerberater können mit unserem Zettelwirrwarr nichts anfangen, und weder das Arbeitsamt noch die Existenzgründungsexperten bei den Handelskammern helfen weiter. Wem können wir uns anvertrauen, wer versteht uns? Er muss nicht unbedingt einer von uns sein, aber er muss wissen, was wir machen und wie wir denken. Er muss auch wissen, was wir nicht können, was wir gerne verschleppen und was wir gar nicht erst zu fragen wagen.
 
So einer ist Joachim Kobuss. Ein wenig Unternehmensberater, aber ohne arrogante Allmachtsfantasien. Ein wenig Steuerberater, aber ohne Ärmelschoner. Ein wenig Psychologe, ein bisschen Kaufmann, vor allem aber Gesprächspartner. Hätte ich ihn vor einigen Jahrzehnten gekannt und hätte er mir damals erklärt, wie man einen Businessplan formuliert, welche Rechtsformen es gibt und wie man Angebote richtig schreibt, dann wäre mir ganz bestimmt viel Ärger erspart geblieben. Aber das ist ein anderes Thema.
 
Design ist zu einem echten Business, wenn nicht sogar zu einer Industrie geworden. Von den Ratschlägen, Methoden und Fakten, die Joachim Kobuss hier darlegt, profitieren wir alle. Denn Auftraggeber respektieren uns nur, wenn wir über das Geschäft so viel wissen wie über Gestaltung. Sonst bleiben wir Künstler, die man gerne um sich hat, aber nicht ernst nimmt.
 
© Prof. Dr. Erik Spiekermann · 2007/2010


© 2010