Kooperation – Hierarchien

Wie gelangen wir von der Hierarchie zur Heterarchie?

Demokratie/Oligarchie/Aristokratie

Unsere Gesellschaft ist stolz auf ihre demokratische Regierungsform, die Herrschaft durch das Volk. In Deutschland wurde die Demokratie im Grundgesetz von 1949 in Artikel 20 als unwiderruflich festgeschrieben. Demnach geht alle Macht vom Volke aus. Direkte Volksentscheide sind aber gar nicht vorgesehen. Die deutsche Demokratie ist nach der klassischen Verfassungssystematik also keine Demokratie, sondern eine Oligarchie (Herrschaft durch Wenige) oder optimistisch gesehen eine Aristokratie (Herrschaft durch die Besten). Demokratie klingt aber viel besser und man spricht deshalb von der sogenannten repräsentativen Demokratie. Der Begriff bedeutet eigentlich nichts anderes als Demokratie. Republik ist die Herrschaftsform, bei der das Staatsvolk die höchste Gewalt des Staates und oberste Quelle der Legitimität ist.
 
 
Hierarchie
 
Mitte des 19. Jahrhunderts kam es nahezu weltweit zu Aufständen gegen die damals herrschende zentralistische Hierarchie. Dieses soziale Organisationsprinzip wurde zwar formal, aber nicht funktional abgelehnt. Auch heute noch sind politische Parteien, Unternehmen und vor allem religiöse Gruppierungen zentralistisch strukturiert. Die meisten Formen der demokratischen Mitbestimmung haben nichts an dem herrschaftlichen Prinzip der Machtausübung geändert. Statt einer rein zentralistischen Hierarchie haben wir allenfalls eine dezentralistische Hierarchie – in jedem Fall aber noch eine hierarchische Struktur. Wie sehr unser Denken von Hierarchiestrukturen geprägt ist, zeigt sich an Formulierungen wie die da oben, wenn man über die Regierung spricht. Doch es beginnt sich zu ändern, weil die Menschen mit dem Internet über die nötige Technologie verfügen, die Demokratie möglich macht.
 
 
Heterarchie
 
In einer heterarchischen Struktur stehen die Organisationseinheiten nicht in einem Über- oder Unterordnungsverhältnis zueinander, sondern gleichberechtigt nebeneinander. Die typische Heterarchie ist strukturiert wie ein Netz. Ein soziales Netzwerk ist eine Sozialstruktur, die durch Individuen oder Gruppen gebildet wird (Knoten oder Nodes genannt). Die Knoten sind verbunden durch Interdependenzen (Links). Die Gemeinschaft der Knoten nennt man heute gerne Community.
 
Erst um die Wende zum 20. Jahrhundert begann die Wissenschaft, sich mit dem Phänomen der sozialen Interaktion systematisch auseinanderzusetzen. Der deutsche Philosoph und Soziologe Georg Simmel (1858–1918) legte wichtige Grundlagen für die Analyse sozialer Netzwerke. Der Begriff Netzwerk selbst wurde aber erst Mitte des 20. Jahrhunderts Teil der Terminologie soziologischer Forschung. Es kommt also nicht von ungefähr, dass die Computertechnologie denselben Begriff benutzt wie die Soziologie. Der Trend zur Heterarchie führte dann zur Entwicklung des Internets, das die soziale Evolution von der Hierarchie zur Heterarchie enorm beschleunigte.
 
Wir müssen verlernen, in hierarchischen Strukturen zu denken und es erlernen, heterarchisch zu handeln.