Kooperation – Netzwerken

Wie können Sie aus dem aktiven Netzwerken Ihren praktischen Nutzen ziehen?

Um die Vorteile von Netzwerken effektiv und bewusst zu nutzen, ist es hilfreich, sich einige Eigenschaften sozialer Netzwerke näher anzusehen. Besonders interessant dabei ist es, wie unmerklich Netzwerke unser Verhalten beeinflussen. Hier einige für Designer-Netzwerke interessante Aspekte.

 
Beeinflussung
 
Spannend sind die Erkenntnisse über die gegenseitige Beeinflussung von Menschen in Netzwerken, die sich noch nicht einmal persönlich kennen. Der Einfluss, und das bis ins kleinste Detail, soll hier sogar maßgeblich sein. Was die Freunde eines Freundes unserer Freunde tun, soll mit in unserer Hand liegeneine ebenso provokante wie verblüffende These.
 
 
Bindungen
 
Verbindungen unterscheiden sich in ihrer Intensität und daraus folgenden Effekten. Starke Bindungen schweißen uns zu Gruppen zusammen. Schwache Bindungen verknüpfen die Gruppen untereinander zu einer Gesellschaft. Alle Gruppierungen sind daher entscheidend für die Verbreitung von Informationen. Wir nutzen sie, wenn wir unsere Lebens-/Arbeitsumstände verbessern wollen und gehen dabei instinktiv vor. Auch dann, wenn wir die Struktur unseres Netzwerks nicht kennen und uns unserer starken und schwachen Bindungen nicht bewusst sind.
 
 
Kreativität
 
Die Kreativität von Netzwerken ist besonders für Designer interessant, und hier vor allem die Rolle, die soziale Netzwerke für Produktionsteams spielen. Teams mit Mitarbeitern, die nie zusammengearbeitet haben, sind weniger erfolgreich, weil sie in sich schlecht vernetzt sind und überwiegend aus schwachen Beziehungen bestehen. Aber auch eingespielte Teams, mit Mitarbeitern, die schon zusammengearbeitet haben, können Misserfolge produzieren: Weil ihnen der kreative Input von außen fehlt, bleiben sie bei den alten Ideen. Ideal ist ein Gleichgewicht aus beiden Extremen, weil sich hier die Kreativität neuer Mitarbeiter und die Stabilität bewährter Beziehungen ausgleichen. Solche Netzwerke haben den größeren Erfolg, weil die Mischung aus starken und schwachen Beziehungen die Kommunikation erleichtert und die Kreativität fördert. Demnach hat die Struktur des Netzwerkes einen entscheidenden Einfluss auf den kreativen und wirtschaftlichen Erfolg.
 
 
Seilschaften
 
Der Einfluss von Netzwerken auf unsere wirtschaftliche Situation hängt von deren Dynamik ab. Über den Strom von Informationen, Einfluss und Geld erreichen wir unsere Freunde und deren Freunde. Erfolgreiche Menschen und Unternehmen gestalten ihre Netzwerke nach ihren finanziellen und wirtschaftlichen Zielen. Die Form des Netzwerkes hat entscheidenden Einfluss darauf, ob sie diese Ziele erreichen. Seilschaften sorgen füreinander und halten zusammen. Soziale Netzwerke beeinflussen die Ein- und Verkaufspolitik von Unternehmen. Die These, dass an den Meistbietenden verkauft und beim günstigsten Anbieter gekauft wird, berücksichtigt keine persönlichen Beziehungen. Wirtschaftliche Entscheidungen werden aber nicht selten von gegenseitigen Beziehungen und Vertrauensverhältnissen beeinflusst.
 
 
Wert des Netzwerkes
 
Der Wert eines Netzwerkes von (wirtschaftlich) erfolgreichen Menschen und Unternehmen ist offensichtlich. Wer erfolgreich ist, ist anziehend und findet mehr Möglichkeiten, noch erfolgreicher zu werden. Die technologische Entwicklung der letzten Jahre fördert das, weil es immer leichter wird, soziale Netzwerke zu durchsuchen und für sich zu nutzen. Umso mehr kann der positive Zusammenhang zwischen Erfolg und sozialen Beziehungen den Erfolg verstärken und dafür sorgen, dass die Erfolgreichen noch erfolgreicher werden. Wie aber sieht es bei den (nach monetären Kriterien) weniger erfolgreichen Netzwerken aus? Auch sie nutzen die technischen Möglichkeiten und können von sozialen Verbindungen profitieren. Tun sie das? Bei dem ein oder anderen (Designer-Berufsverband) ist das zwar so – von den Designern wird dieses Angebot aber nicht effektiv genutzt. Doch je lauter man die prekären Verhältnisse bejammert, desto mehr beflügelt das den negativen Effekt. Auch der Ruf nach gesetzlicher Hilfe und Schutz allein ist zu kurz gedacht. Wo bleiben da die vorhandenen Fähigkeiten und der daraus resultierende Nutzen für andere? Stellen Sie sich vor, Designer würden sich nicht nur zu sozialen Netzwerken (Berufsverbänden, Clubs, Foren etc.) zusammenschließen, sondern auch das Potenzial der Wertschöpfung erkennen und publizieren. Dann würden sie nicht nur für andere interessant, sondern fänden hier auch unzählige Möglichkeiten erfolgreicher zu werden. Hinzu käme, dass Designer dabei nicht nur auf das monetäre Kapital angewiesen wären, sondern vielmehr auch ihr kulturelles und soziales Kapital einbringen könnten.
 
 
Organismus Netzwerk
 
Ein soziales Netzwerk ist eine Art menschlicher Überorganismus mit eigener Struktur und Funktionsweise. Ob in realer oder virtueller Form, schafft dieser Überorganismus Dinge, die die Fähigkeiten Einzelner übersteigen. Gemeinsam schaffen alle im Netzwerk Aktiven und Beteiligten etwas, das über das Individuum hinausgeht. Das ähnelt den Zellen eines mehrzelligen Organismus, die durch ihre Zusammenarbeit eine höhere Lebensform schaffen. Ein solcher Vorgang spielt sich beispielsweise in unseren Gehirnzellen ab: Unsere Gedanken sind nicht etwa Teile der Zellen, sondern Produkte der Neuronenverbindungen. Soziale Netzwerke zeichnen sich durch eine Intelligenz aus, die die des Einzelnen ergänzt und über einen Bereich hinaus in einen anderen übergeht. Soziale Netzwerke können Informationen über lange Zeiträume hinweg bewahren und zielgerichtet Bewegungen ausführen, die viele Entscheidungen beinhalten. Hier sind Netzwerke unabhängig vom Einzelnen.
 
 
Kooperation und Konkurrenz
 
Bei der Kooperation und Konkurrenz innerhalb von Netzwerken, geht es weniger um die Frage, was sich in einem solch strategischen, sozialen Netzwerk in welchem Maße positiv für ein Mitglied auswirkt. Es geht um den Grad des kooperativen Nutzens, der sich aus egoistischen (individuellen) Zielen ziehen lässt. Oder anders formuliert: Es geht um das Erreichen egoistischer Ziele über kooperatives Verhalten. Insbesondere geht es dabei um solche Ziele, die einer allein nicht erreichen kann, weil dazu weder die persönlichen Ressourcen noch die (starken und schwachen) Bindungen eines Einzelnen ausreichen. Es ist das intelligente Konkurrieren: Kooperation statt Konkurrenz. Gemeint ist hier nicht jene Konkurrenz, die nur auf Gewinn ausgerichtet ist und mehrheitlich Verlierer produziert. Das ist weder ökonomisch noch gesellschaftspolitisch intelligent. Ein praktisches Beispiel ist die Branchenpolitik für die Designwirtschaft. Als Einzelner hat man kaum eine Chance eine wirksame Öffentlichkeit für politische Ziele zu aktivieren. Nur starke soziale Netzwerke haben hier die Möglichkeiten, sich Gehör und Aufmerksamkeit zu verschaffen.