Kooperation – Partnerschaften

Was unterscheidet Partnerschaften von Mitgliedschaften?

Die Initiative von Designern in Berufsverbänden, Clubs und Foren ist relativ gering. Für die wenigen die sich hier organisieren ist die Mitgliedschaft typisch, da fast alle Organisationen als Verein betrieben werden.

 
Mitgliedschaft
 
Die vereinsrechtlichen Rahmenbedingungen bilden zwangsläufig Hierarchien – muss doch immer ein Vorstand gebildet sein, der den Verein leitet. Die Mitglieder können über die Mitgliederversammlung (formal) Wahl- und Kontrollrechte ausüben. Diese Form der demokratischen Mehrheitsfindung ist oberflächlich betrachtet positiv. In der Praxis ist es jedoch nicht selten, dass zwischen Vorstand und Mitgliedern nur ein begrenzter Austausch stattfindet und eine unzureichende Transparenz herrscht. Besonders deutlich wird dies, wo Vorstände präsidiale Strukturen bilden und sich wie Oligarchen verhalten.
 
Ein weiterer Aspekt ist die für Mitglieder mehrheitlich typische Erwartungshaltung an den Verein. Schließlich zahlt man doch einen Beitrag und fragt sich (unbewusst): Was bekomme ich dafür? Was tut mein Verein für mich? Dieses Konsumverhalten verhindert zwangsläufig Engagement und Eigeninitiative. Erfahrungsgemäß ist der Anteil aktiver Mitglieder (im Vorstand oder auch außerhalb) verschwindent gering. Eine (unbeabsichtigte) Nebenwirkung ist, dass sich Vorstände in ihrem oligarchisch-präsidialen Verhalten bestätigt fühlen, wodurch sich eine verhängnisvolle Spirale entwickelt.
 
Nun sind Vereine per se nichts Negatives und schließen Austausch, Transparenz, Heterarchie, Engagement und Eigeninitiative nicht grundsätzlich aus. Der formale Rahmen und das Image begünstigen jedoch unsoziales Verhalten.
 
 
Partnerschaft
 
Die Selbstverpflichtung zwischen Menschen, mit gemeinsamen Interessen und Haltungen, die auf gleicher Augenhöhe heterarchisch kooperieren, ist die Grundlage von Partnerschaften. Typisch für partnerschaftliches Verhalten ist die Frage: Was kann ich für den/die anderen tun? Dieses stehtim Gegensatz zum konsumistischen Verhaltenfür das Sein (anstelle des Habens). Es basiert auf einer ethischen Haltung, statt einer moralischen Forderung. Partikularinteressen stehen hinter allgemeinen zurück. Profitorientierung wird dem Gemeinnutz untergeordnet. Engagement und Eigeninitiative sind selbstverpflichtend und intrinsisch motiviert.
 
Partnerschaft ist von einem gemeinsamen Leitbild geprägt. Es sind das Selbstverständnis und die Grundprinzipien – die Haltung. Diese bietet Orientierung und Identität.
 
Das Selbstverständnis basiert auf freundschaftlichen Beziehungen, Respekt und Vertrauen. Vertrauen beruht auf Wahrhaftigkeit und Verlässlichkeit. Wahrhaftigkeit rechtfertigt subjektives und Verlässlichkeit objektives Vertrauen.
 
Ergänzende Fähigkeiten und Kompetenzen, Identitätsvielfalt im Dialog, Gestaltungswillen für gemeinsames Handeln, Freundschaft als Ziel (anstatt als Mittel zum Zweck), konstruktive Kritik (im angemessenen Ton), Reflexion des eigenen Standpunktes und Nachhaltigkeit im Umgang sind wesentliche Voraussetzungen und Verhaltensweisen in einer Partnerschaft.
 
Die Art und Weise der Zusammenarbeit in einer Partnerschaft, gleicht einem moderierten Prozess. Alle Partner_innen sind kompetenzsituativ in der Rolle des Moderators wechselseitig eingebunden.
 
Was uns hier zusammenhält und unserer Identität nützt, hat Richard Sennett in seinem Buch Zusammenarbeit beschrieben.
 
Partnerschaften brauchen keine Form im juristischen Sinne, zumindest solange diese privaten Charakter haben, ökonomische Risiken gering sind und von allen Partner_innen getragen werden können. Erst wenn die Ziele und Maßnahmen ökonomische Verpflichtungen mitbringen, diese nicht mehr von allen Partner_innen übernommen werden können und Haftungsrisiken begrenzt werden müssen, ist die Einrichtung von juristischen Personen (Gesellschaften) notwendig. Die Rechtsform eines Vereins ist hier aus den oben genannten Gründen allerdings keine angemessene Lösung.
 
 
Dies ist eine Schlussfolgerung aus den Büchern  Designzukunft denken und gestalten und Designbusiness gründen und entwickeln aus der Reihe Erfolgreich als Designer