Nachhaltigkeit – Was also ist Design?

Der spätere Nobelpreisträger Herbert A. Simon definierte sinngemäß im Jahr 1969: »Design bezeichnet Maßnahmen die darauf abzielen, existierende in bevorzugte Situationen zu verändern.« (The Science of the Artificial, 3. Ausgabe 1996, Seite 111, MIT)

Nach dieser Definition waren die ersten Maßnahmen zur Gestaltung des kulturellen Kreislaufs Design.
 
»Der gänzlich am Marketing orientierte Entwicklungsprozess vereinnahmt das Design und beraubt die Gestalter ihrer Fähigkeit, entlang eines ethisch fundierten Wertesystems visionär zu denken und zu handeln.« (Hajo Eickhoff und Jan Teunen, Form:Ethik S.7)
Design ist degeneriert zu reinem Styling und bedient den Neuheitswahn der oberflächlichen Eitelkeit.
 
»Marketing per se ist ethisch blind.« (Peter Ulrich, Institut für Wirtschaftsethik, Hochschule St. Gallen)
Wie kann es angehen, dass diejenigen, die von sich behaupten, sehen zu können, sich von Blinden ihre Sichtweisen vorschreiben lassen?
 
Design hat die Aufgabe, die innere Funktion der äußeren Form zu gestalten, oder, wie John Heskett definiert: »Design is to design the design of a design.« (John Heskett: Design – a very short introduction S.3, Oxford University Press, 2002)
 
Das Meiste, was wir heute als Design bezeichnen, ist nichts anderes als die Verhübschung des Äußeren. Der deutlichste Indikator für dieses Missverständnis des Begriffes Design ist die Dominanz des Begriffes Ästhetik über der Ethik.
 
Was ist also Sustainable Design?
 
Sustainable Design gibt es nicht! Wenn Design Maßnahmen bezeichnet, existierende in bevorzugte Situationen zu verändern und da eine nicht nachhaltige Situation nie eine bevorzugte Situation sein kann, ist Design per se nachhaltig. Der Begriff »Sustainable Design« (nachhaltiges Design) setzt die Existenz von »Unsustainable Design« (unnachhaltiges Design) voraus. Unsustainable Design gibt es nicht! Wenn etwas nicht nachhaltig ist, kann es kein Design sein, bestenfalls ist es dann Styling. 
»Sustainable Design« ist als Begriff somit Unsinn.
 
Wir sollten also aufhören, von »Sustainable« Design zu reden und anfangen darauf zu achten, dass wir nachhaltig Denken und Handeln um sicherzustellen, dass wir Design und nicht Dekoration produzieren. Wir sollten aufhören, Dekoration als Design zu bezeichnen.
 
© Michael B. Hardt · März 2012