Nachhaltigkeit – Was macht die Politik?

Wir werfen unseren Politikern gerne einen Mangel an visionären Aktivitäten vor. In Bezug auf »Nachhaltigkeit« sind wir da aber schlicht unfair. Seit Jahrzehnten beschäftigen sich die Vereinten Nationen mit dem Thema und haben dazu eine Anzahl von Resolutionen verabschiedet, so unter Anderem die Resolution 42/187 aus dem Jahr 1986, in der der Begriff »Nachhaltige Entwicklung« definiert wird: »Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung die die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation befriedigt ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu beeinträchtigen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen.« (Brundtland Report »Our Common Future« angenommen 1986  von der UN Generalversammlung, veröffentlicht von Oxford University Press in 1987)

Der Brundtland Bericht definiert auch deutlich die Anforderungen an Planungsprozesse:
  • Integration von ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten in jeden Planungsprozess;
  • die Übernahme globaler Verantwortung für Umwelteffekte auch außerhalb juristischer Vorgaben;
  • das Abkoppeln des Zusammenhangs zwischen ökonomischem Wachstum und Umweltschädigung;
  • Gleichheit der Generationenzukünftigen Generationen das gleiche Umweltpotential hinterlassen, das heute existiert;
  • die Vermeidung von irreversiblen Langzeitschäden für das Ökosystem und die menschliche Gesundheit;
  • Beibehaltung und Verbesserung der Anpassungskapazität des Umweltsystems
  • Sicherung der Gleichheit der VerteilungVermeidung unfairer und hoher Umweltkosten für verletzbare Bevölkerungen.
Wir müssen ehrlicherweise zugeben, dass in keinem normalen Designprozess – von ganz seltenen Ausnahmen abgesehenselbst nach 25 Jahren auch nur eine einzige dieser Forderungen berücksichtigt wird. Dies erlaubt tatsächlich die Frage, ob das Design, das wir  heutzutage praktizieren, überhaupt noch als Design bezeichnet werden kann
 
 
© Michael B. Hardt · März 2012