Kreativ/Creative

Die Kreativ-IllusionEine Kritik der kreativen Vernunft

Kreativ und Creative sind die Modewörter der letzten Jahre. Als Präfixe und Adjektive inflationär werden sie für alles Mögliche verwendetnicht selten ohne Substanz. Okkupiert für Branchenetiketten und zum Alleinstellungsmerkmal missbraucht, schmücken sich Institutionen und Berufe damit.

Dabei hat alles mit Missverständnissen und Partikulartinteressen angefangen. Da gab es den aus dem angelsächsischen Raum stammende Begriff »Creative Industries«, unter dem einzelne Berufe (nicht Branchen!) subsumiert werden. Der bekannte amerikanische Wirtschaftsgeograph Richard Florida hat darunter neben Designern u.a. Ärzte, Ingenieure, Juristen, Ökonomen, Unternehmensberater, Wissenschaftler und sogar Verwaltungsbeamte definiert – die Creative Class, in Abgrenzung zu den Service und Working Classes.
 
Als man nach internationalen Vergleichsmöglichkeiten zu unseren Kulturwirtschafts-Branchen (nicht Berufen!) suchte, war das nur annähernd und relativ unscharf möglich, und so entstand der Arbeitstitel »Kulturwirtschaft = Creative Industries«. Irgenwie ist daraus dann der Begriff Kultur- und Kreativwirtschaft geworden. Da wir bis dahin nur neun Kulturwirtschaftsbranchen bestimmt haben (wie im Abschlussbericht der Enquetekommission »Kultur« des Deutschen Bundestages 2007 beschrieben), sind kurzerhand zwei weitere (Software/Games und Werbemarkt) hinzugefügt worden (die Kreativwirtschaftsbranchen). Über die Hintergründe kann man nur spekulieren.
 
Was der Werbemarkt damit zu tun hat, welche Konsequenzen sich für Designer daraus ergeben, was Kreative sind und wie eine Bewertung möglich ist, dazu mehr auf den folgenden Seiten.